Nexus One vs. iPhone – was ist besser?
Android-Telefone gibt es bereits viele – aber das Nexus One ist das erste Telefon, das Google selbst auf den Markt bringt, ja sogar vertreibt. Doch wie gut ist das Google-Gerät nun eigentlich? Ich habe das Gerät in den vergangenen Wochen ausgiebig getestet. Ich habe damit telefoniert, SMS verschickt, E-Mails gelesen und geschrieben, Apps runtergeladen und genutzt, Fotos geschossen, im Internet gesurft, getwittert – alles Dinge, die man mit einem Smartphone so anstellt.
Eigentlich ist das Nexus One wirklich ein gutes Telefon. Wenn ich das ordentlich beurteilen kann. (Mein Testgerät ist ein amerikanisches Modell, was das Aufladen wegen des Steckers ein bisschen schwierig macht. Geht aber auch, weil es ein USB-Kabel gibt. Das kann man zum Aufladen ohne Probleme ans Notebook oder den Rechner anschließen. Aber zurück zum Nexus One.) Es liegt perfekt in der Hand, es wirkt stabil, hat eine Displayauflösung, die mit 800×480 Pixeln sogar größer als die vom iPhone ist. Das Nexus One hat genau wie das Apple-Gerät keine Tastatur, auch hier kann ich alle Funktionen direkt über den Bildschirm per Fingerdruck steuern. Die Kamera ist besser und hat sogar einen LED-Blitz. Der 1-Gigahertz-Prozessor sorgt dafür, dass die Anwendungen alle extrem schnell reagieren – schreiben andere Android-Nutzer, denen ich einfach mal glauben muss, weil das Nexus One das erste Android-Gerät ist, dass ich bisher in den Händen gehalten habe.

Richtig super finde ich auch die Spracherkennung, die in englischer Sprache erstaunlich gut funktioniert, und die Tatsache, dass ich auf dem Nexus One “Google Goggles” benutzen kann – was für eine zukunftsweisende Anwendung, aber das hat Stefan Keuchel in unserem Video ja alles schon ganz gut erklärt. Auch der App-Store ist übersichtlich und klar, wenn neue Versionen von den heruntergeladenen Anwendungen zur Verfügung stehen, werde ich benachrichtigt und mit minimalen Aufwand lassen sich die Dateien aktualisieren – das funktioniert sogar besser als beim iPhone-Store.
Trotzdem. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich an ein Telefon so sehr gewöhnen könnte. Seitdem ich das Nexus One teste, weiß ich, dass das Gerät, das ich seit Oktober mit mir herumtrage, mein Leben verändert hat. Es ging ganz schleichend. Und ich muss sagen: Seit Oktober bin ich ein iPhone-Mädchen.
Das iPhone hat für mich Standards gesetzt. Standards, die ich bei anderen Telefonen nicht mehr missen möchte. Deshalb hier meine fünf Gründe, warum das Nexus One für mich höchstens ein Zweitgerät werden kann.
Erstens. Die Menü-Taste.
Eigentlich ähneln sich die beiden Geräte sehr. Ein mit den Fingern bedienbarer Bildschirm, per Wisch kann ich mich durch die verschiedenen Seiten manövrieren, ein paar Applikationen sind vorinstalliert. Besonders schön beim Nexus One: Die Darstellung des Wetters und der wichtigsten Nachrichten – ein Blick auf den Bildschirm genügt und ich weiß, was los und wie warm (oder kalt) es ist. Doch leider war ich an meinem ersten Nutzungstag nicht in der Lage, die Wettereinstellung von München auf Düsseldorf zu verändern. Erst ein Anruf bei einem Android-Nutzer wies mich auf die Menütaste am unteren Ende des Bildschirms hin.
Im Verlauf meines Tests bemerkte ich, dass diese Taste elementar für die Bedienung dieses Geräts ist. Will ich meine Mails manuell synchronisieren, muss ich darauf klicken. Will ich Twidroid manuell aktualisieren, benötige ich diese Taste ebenfalls. Daran kann man sich gewöhnen. Wenn man das iPhone nutzt und einfach auf Buttons auf den Bildschirm oder meinetwegen “Fragezeichen” klickt, will man das nicht.
Zweitens. Der nutzlose Scrollball
Ich nutze das Nexus One nun seit ungefähr drei Wochen, aber den Scrollball, der sogar blinken kann, habe ich bisher noch nie benutzt. Ok, falsch, genutzt habe ich ihn schon, nur hatte meine Nutzung nicht den erwünschten Effekt. Beim iPhone ist an der selben Stelle eine Taste, die dabei hilft, den Bildschirm anzuschalten. Oder die eben noch genutzte App wieder zu schließen. Weil ich mich an diese Funktion so gewöhnt habe, fiel es mir schwer, zu begreifen, dass der Bildschirm beim Drücken des Scrollballs keineswegs aktiviert wird. Oder man zurück zu seiner App-Übersicht gelangt. Dafür gibt es die Haus-Taste auf dem Nexus One. Das doofe: Wer als iPhone-Nutzer glaubt, dass die App nach dem Drücken der Haus-Taste auch wirklich geschlossen ist, hat leider verloren. Oben links sieht man nämlich ganz übersichtlich, welche Programme im Hintergrund noch laufen – Multitasking macht’s möglich. Schließt man diese nicht komplett, zieht das Gerät Strom – und zwar ordentlich. Eine nicht geschlossene Twitter-App (in meinem Fall Twidroid) sorgt dafür, dass das Telefon nach einer Nacht komplett leergesaugt ist. Ein weiteres Problem: Bis man bei Twidroid herausgefunden hat, wie man die App ordentlich beendet, vergeht eine weitere halbe Stunde (Na, habt ihr die Menütaste auch schon wieder vergessen?). Der Scrollball lässt sich dann doch noch für etwas nutzen: für das Scrollen durch seine Mails. Das geht aber auch viel praktischer: mit dem Finger.
Drittens: die schwierige Outlook-Synchronisation
Eigentlich genauso einfach wie beim iPhone. Einfach die ganzen Daten eingeben und schon klappt das. Herrlich unkompliziert. Aber doch mit einem Haken. Denn auf meinen Outlook-Kalender kann ich bisher nicht zugreifen. Dafür aber auf den Google-Kalender, den ich leider nicht nutze. Und jetzt schreibt mir bitte nicht, das man dafür nur schnell irgendwas umstellen oder herunterladen oder was auch immer tun muss. Ich finde, das muss sofort funktionieren. (Wenn ihr eine Lösung habt, will ich das natürlich trotzdem wissen.)
Viertens. Telefonieren
Ja, wer hätte das gedacht, manchmal will ich auch telefonieren. Doof, dass das auch nicht ganz einfach ist. Für meine Lieblingstelefonpartner gibt es beim iPhone die Favoriten-Funktion, übrigens eine Funktion, die ich sogar auf meinem Windows-Handy sehr gerne benutzt habe. Fünf, sechs Nummern dort ablegen und bei bedarf Anklicken – schon wird die Nummer gewählt. Beim Nexus One läuft das anders – da hat man Favoriten, weil man bestimmte Nummern besonders häufig benutzt hat. Obwohl Google doch mittlerweile ein Synonym fürs Suchen geworden ist, bin ich nicht in der Lage, in meinen Kontakten nach Max Müller zu suchen. Ok, bin ich natürlich schon, aber auch hier bleibt mir nichts anderes übrig, als erst die Menütaste zu drücken und dort dann auf „Suchen“. So gelange ich zu einer Eingabemaske, in die man Buchstaben wie „M“ oder Kombinationen wie „Mü“ hineintippen kann, um irgendwann dann doch noch zu telefonieren. Leider auch schon wieder viel zu umständlich.
Fünftens. Die Tastatur.
Herrjeh, das Tippen. Auch das ist nicht so einfach. Doch vorneweg: Was man mir wirklich nicht andichten kann, sind Wurstfinger. Bisher hatte ich gerade was Handys angeht, immer Glück mit meinen Fingern, bzw. Fingerkuppen. Hat alles immer super funktioniert. Ich habe Tasten getroffen und war durchaus auch recht flink. Schon beim iPhone hatte ich zu Beginn ein paar Probleme beim Tippen. Touchscreen ist halt nicht so leicht zu bedienen, weil Widerstände bei den Tasten fehlen. Ich kann nicht sagen, woran es liegt, ich kann nur sagen, dass ich auf dem Nexus One die Tasten noch schlechter treffe als auf dem iPhone.
Mein Fazit:
Ich mag das Nexus One. Und wenn ich könnte, würde ich mein Testgerät gerne behalten. Als Zweittelefon. Und wenn ich nicht schon ein iPhone hätte, hätte ich mich vermutlich sofort in das Nexus One verliebt. Es ist schön, handlich und auch praktisch. Es gefällt mir wegen des offener anmutenden Standards noch zusätzlich gut. Und dann sind da auch noch so tolle Apps wie Goggles oder Shopper. Wenn das Nexus One in der Benutzerfreundlichkeit nur noch ein bisschen zulegen könnte. Intuition in der Benutzerführung ist das, was dem Nexus One leider noch fehlt. Wenn Google in dieser Hinsicht so schnell reagiert, wie mein Testgerät multitouchfähig wurde, könnte ich mich vielleicht auf eine neue Liebe einlassen und zum Nexus-Mädchen werden. Warten wir’s ab.



20.02.2010 






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