Spiegel Wissen, FTD und die Suche nach dem Gaspedal

Hach, das ist so eine Sache mit den deutschen Verlagen und Iphone-Apps. Soooo gerne würden sie damit Geld verdienen – doch ihnen fällt einfach nicht ein, wie das gehen sollte.

Axel Springer hat den Vorreiter gemacht. Nicht nur, dass die Progrämmchen von “Welt” und “Bild” Geld kosteten. Bald schon sollen sie nur noch im Abo benutzbar sein. Derzeit scheint der Termin der 23.2. zu sein, an dem diese Abos eingeführt werden. Zumindest findet sich bei der “Welt”-App derzeit unter “Abo-Status” der Hinweis, der Premium-Stand ende am 22.2.

Doch so oder so: “Welt” und “Bild” liefern zwar noch ansatzweise kreative Ideen – doch bei weitem nicht genug. Letztlich geht es allein um Nachrichtenkonsum. Und den hat der “Guardian” bisher am elegantesten via App gelöst. Die Uniformität der deutschen Zeitungs- und Zeitschriften-Apps ist deprimierend. Egal ob “Focus”, “Süddeutsche Zeitung” oder “Handelsblatt” – alles wirkt wie von der Stange.

An der hängt jetzt auch die “Financial Times Deutschland” – allerdings bei der Größe XS.

Nicht einmal runterladen kann der Nutzer die Artikel um sie dann offline zu nutzen. Das ist eigentlich Standard. So bleibt nur ein hübsch gestalteter Aktiendepot-Teil. Die “FTD”-App ist eine, die die Welt nicht braucht.

Und überhaupt: Wozu braucht man derzeit all diese Apps? Kaum eine bietet dem Nutzer handfest mehr Wert als die mobile Version der Homepage. Sie scheinen allein das Logo des Mediums auf das Display des Iphone rücken zu wollen – weil der Leser vielleicht sonst gar nicht auf die Idee käme, Welt.de oder Focus.de anzusurfen.

So denkt anscheinend auch Spiegel Online. Die Nummer eins unter den deutschen Nachrichtenseiten hat lange keine Iphone-App auf den Markt gebracht. Nun aber doch. Allerdings: Es geht nicht um Nachrichten. Spiegel Online Wissen offeriert ein Quiz auf dem Iphone.

Ratespiele sind ja online so ähnlich wie Kinder und Tiere in der realen Welt: Irgendwie ziehen sie immer. Und ich bin ehrlich: “Wer wird Millionär?” gucke ich nicht. Zappe ich aber rein, rate ich sofort mit – vielleicht sind wir Menschen so.

2,39 Euro kostet der Wissenstest von der Brandstwiete. Das ist im Marktvergleich kein Billigheimer-Preis. Zum Testen gibt es eine Gratis-Version, bei der man nur die erste Ehrenstufe unter den Wissenden erreichen kann – danach ist Schluss, die App ist nicht mehr spielbar. Das ist eine ganz kluge und faire Lösung.

Leider aber ist sie auch das einzig Ungewöhnliche. Spiegel Online fragt in gewissen Wissensgebieten ab, entweder als Multiple-Choice-Fragen oder per Schieber als Schätzfrage. Die Auflösung wird dann noch ein wenig kommentiert. Das war’s. Schade. Das Iphone würde so viel mehr ermöglichen. Ein multimediales Quiz, zum Beispiel, mit Videos, Bildern, Tönen, ein vor Saft und Kraft strotzendes Ratespiel. Und wer wenn nicht der “Spiegel” hätte Zugriff auf entsprechende Materialmengen?

So bleibt die App von Spiegel Wissen ein Sportwagen, der im ersten Gang und Schrittgeschwindigkeit daher rollt. Ich bin gespannt, ob de Verlag in Sachen Apps auch irgendwann Gas geben wird. Vom Kauf der App rate ich ab.

  • larsbehrendt
    Ist ja schön das immer alle wissen wie es nicht geht. Aber jetzt mal im ernst. Was sollte eine gute Verlag´s-App / Zeitungs-App denn leisten können? Da bin ich ja mal wirklich gespannt auf die Antworten!
  • marcusboesch
    Ich hab keine Ahnung warum die Guardian App jedes mal als glorreiches Beispiel der weltbesten App-Bastelei herhalten muss. Der Guardian ist sehr sympathisch, der Guardian hat das Internet weit besser verstanden als viele andere Medienunternehmungen ABER diese App hat durchaus auch Schwächen. Ich klage ja gar nicht über die paar Sekunden Ladezeit am Anfang. Das ist normal. Einzig: Wenn die Süddeutsche-App am Anfang einige Sekunden lädt, dann heult ein Proteststurm los.

    Mein Kritikpunkte sind:

    Ich kann keine Artikel zu Twitter schicken. Nur per E-Mail und zu Facebook. Na und? Für mich ist das zentral! Und für viele andere inzwischen auch. Die NYT-App kann das.

    Die Audio-Lösung ist alles andere als zeitgemäß und smart. Schön wäre zum Beispiel eine Zeitangabe bevor ich PLAY drücke. Dann würde ich wissen was mich erwartet. Schön wäre das. Vielleicht auch noch zwei bis drei Bilder zum Quicktime-Audio. Herrlich wäre das.

    Warum gibt es keine präzisen Zeitangaben. Ich will schließlich wissen wie alt so ein Artikel ist.

    <-- okay, das war´s schon. Die Spiegel Wissens App ist in der Tat ein Witz wenn man sie unter dem Gesichtspunkt Nachrichtenapp vom Spiegel betrachtet. Das soll diese Game-App aber natürlich auch gar nicht sein, weil man beim Spiegel Applications noch nicht Ernst nimmt.

    App hin, App her, ich finde grundsätzlich den Zugang der Tagesschau und - Achtung - der FAZ gut. Seiten optimiert für den mobilen Brwoser. Das sollte die Zukunft sein. Offen und plattformübergreifend.
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